Sanierung

Gerade im Gesundheitswesen, das durch Fachkräftemangel, Regulierungsdruck, steigende Betriebskosten und sich wandelnde Vergütungssysteme stark unter Druck steht, gewinnt das frühzeitige Erkennen und Bewältigen wirtschaftlicher Herausforderungen zunehmend an Bedeutung. Unsere Kanzlei begleitet seit Jahren eine Vielzahl von Praxen, medizinischen Versorgungszentren und Apotheken – und zwar sowohl bei der Prävention von Krisen als auch in akuten Restrukturierungsphasen. Aus dieser Erfahrung wissen wir: Neben umfassendem juristischem Know-how im Berufsrecht, Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht und Vertragsrecht sind tiefgehende Kenntnisse der spezifischen Strukturen und betriebswirtschaftlichen Besonderheiten der Heilberufe unverzichtbar.

Typische Ursachen wirtschaftlicher Schieflagen im Gesundheitsbereich

Unternehmenskrisen in Heilberufen entstehen häufig nicht abrupt, sondern entwickeln sich schleichend. Besonders häufig sind:

1. Rückgänge bei Fallzahlen oder Umsätzen

Diese können verursacht sein durch:

  • veränderte Patientenströme (demografischer oder regionaler Wandel),

  • KV-Regressrisiken oder Wirtschaftlichkeitsprüfungen,

  • steigenden Wettbewerb durch MVZ, Filialapotheken oder Berufskollegen,

  • Verschiebungen in der Abrechnungsstruktur (z. B. sinkende Privatpatientenquote),

  • pandemiebedingte Nachfrageeffekte oder wirtschaftliche Belastungen gesetzlicher Krankenkassen.

Gerade im ärztlichen Bereich wirkt sich eine falsch eingeschätzte Leistungs- und Honorarentwicklung oft erst mit Monaten Verzögerung aus – dann jedoch mit voller Wucht.

2. Strukturelle Abhängigkeiten

  • zu wenigen Großpatienten, Heimen oder Zuweisern,

  • einzelnen Leistungsträgern im Team (besonders in Therapie- und Zahnarztpraxen),

  • einzelnen Lieferanten (z. B. Laboren, Material- oder Medikamentenlieferanten),

  • einem überalterten oder nicht digitalisierten Praxis- oder Apothekenbetrieb.

Diese Abhängigkeiten können die wirtschaftliche Stabilität massiv beeinträchtigen, wenn einer dieser Faktoren wegbrechen sollte.

3. Fehleinschätzungen der Praxis- oder Apothekenleitung

Hierzu zählen u. a.:

  • nicht kostendeckende Leistungsangebote,

  • zu spät erkannte Personalprobleme (Überlastung, ineffiziente Strukturen, hohe Fluktuation),

  • Investitionen ohne tragfähige Finanzierungsgrundlage,

  • unzureichende Liquiditätsplanung oder fehlendes Controlling,

  • verspätete Honoraranpassungen in privatärztlichen Bereichen gemäß GOÄ.

Im Gesundheitswesen kommt erschwerend hinzu, dass viele Inhaber nicht aus der Betriebswirtschaft kommen und sich voll auf die Patientenversorgung konzentrieren. Dadurch werden Warnsignale häufig zu spät wahrgenommen.

Krise als Chance – besonders in der Gesundheitsbranche

So belastend wirtschaftliche Schwierigkeiten auch sein mögen: Im Heilberufebereich bieten sie häufig die einzigartige Möglichkeit, längst überfällige strukturelle Veränderungen durchzusetzen, die im Tagesgeschäft schwer kommunizierbar waren. Dazu gehören z. B.:

  • Optimierung der Personalstruktur und Aufgabenverteilung,

  • Digitalisierung von Prozessen (Praxissoftware, Warenwirtschaft, Abrechnung),

  • Trennung von unwirtschaftlichen Leistungsbereichen,

  • Einführung eines belastbaren Controllings und Benchmarkings,

  • Neuverhandlungen mit Laboren, Lieferanten oder Banken,

  • Restrukturierung von Miet- und Leasingverträgen,

  • Modernisierung der Praxis- oder Apothekenorganisation.

Ein offener und professionell begleiteter Umgang mit der Situation stärkt häufig sogar die Führungsposition der Inhaber und verbessert die Kommunikation mit Mitarbeitenden und Partnern erheblich.

Mut zum Handeln: Die kritischen Partner aktiv einbinden

Gerade im Gesundheitswesen gilt: Nicht handeln ist das größte Risiko.
Warten Sie nicht, bis Liquiditätsengpässe oder Steuerzahlungen nicht mehr bedient werden können oder der Gang zum Insolvenzgericht droht.

Unsere Erfahrung zeigt, dass folgende Schritte entscheidend sind:

  • Transparenz gegenüber Mitarbeitenden: Klare Informationen schaffen Verständnis und Motivation zur Veränderung.

  • Frühzeitige Kommunikation mit Lieferanten und Laboren: Zahlungsziele, Konditionen oder alternative Bezugsquellen können neu verhandelt werden.

  • Professionelle Gespräche mit Banken: Restrukturierungen, Tilgungsaussetzungen oder neue Finanzierungslinien sind nur möglich, wenn frühzeitig gehandelt wird.

  • Wiederaufbau des unternehmerischen Selbstvertrauens: Unternehmerische Handlungsfähigkeit ist eine zentrale Ressource – gerade bei Ärztinnen, Therapeuten und Apothekern, die oft stark in die Patientenversorgung eingebunden sind.

Eine Krise ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Phase, in der klare Entscheidungen und externe Expertise den entscheidenden Unterschied machen.